Gesund werden mit Musik

Gastfreundschaft mit Herz und Ordnungsliebe: Das Teddy-Elternhaus gibt Leid geplagten Eltern eine Unterkunft

„Du bist da. Die Mama ist da – ja, ja, hurra!“ Wenn Max die Klänge dieses Begrüßungslieds hört, entspannt er sich merklich. Er dreht den Kopf zur Musik, seine vorher hektischen Bewegungen werden langsam ruhiger. Max war bereits sieben Monate im Krankenhaus, als Julia Scholtz das erste Mal an sein Krankenbett kam. Einfühlsam hat sie sich zunächst mit seiner Krankengeschichte, mit der Lebenslage der Familie auseinandergesetzt. In langen Gesprächen hat sie versucht, herauszufinden, was Mutter und Kind in diesem Moment guttun könnte. Bei dem viel zu früh geborenen Max sind die Eltern musikalisch sehr aktiv, die Mutter spielt Querflöte. So hat Max schon im Mutterleib oft Musik gehört. Das kommt seiner Therapie jetzt zugute: Wenn für ihn der Tag zu stressig wird, hilft ihm eine speziell für ihn zusammengestellte Musik. Wenn die Therapeutin nicht da sein kann, spielen die Eltern „seine“ CD ab.

Leises Summen, der Klang und das Vibrieren der Leier – die ersten Schritte sind oft ganz zaghaft. Mit dem gezielten Einsatz von Musik – hören, aber auch spielen – hat die Diplom-Musiktherapeutin Julia Scholtz mittlerweile schon einigen Kindern helfen können. In Zusammenarbeit mit den Ärzten spricht sie vor allem Kinder und Jugendliche an, die durch schwere, teilweise chronische Krankheiten lange Krankenhausaufenthalte und intensive medizinische Betreuung aushalten müssen.Mit der künstlerischen Therapieform unterstützt Julia Scholtz die Arbeit von Psychologen und Sozialarbeitern. Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern wie Max kann Musik viel erreichen, da sie den Inhalt von Sprache noch nicht fassen können. Die Musik wirkt auf das Unterbewusstsein der Patienten, beruhigt oder belebt. Sanfte Klänge fördern das Wohlbefinden, die Atmung wird ruhiger, die Herzfrequenz sinkt. Helle Töne wirken eher anregend. Bei körperlich beeinträchtigten Kindern kann die Musiktherapie außerdem die Förderung von Motorik, Sprache und fokussierter Wahrnehmung bewirken.

Julia Scholtz nutzt neben bekannten auch ungewöhnliche Instrumente, die für die Kinder leicht spielbar sind. Mit Daumenklavier oder Glockenspiel regt sie ihre kleinen Patienten zu freiem kindlichem Spiel an. So entstehen musikalische Geschichten und Klangreisen, in denen Gedanken, Ängste aber auch Aggressionen ausgelebt werden können. Der Text ist dabei gar nicht so wichtig, manchmal stört er sogar. Das Summen ist dem frühkindlichen Empfinden viel näher.

Die Therapie umfasst aber nicht nur die Musik. Neben Entspannungsübungen sind der Kontakt und die Gespräche mit den Eltern besonders wichtig. Wie bei Max hat das Befinden seiner Mutter starken Einfluss auf seine eigene Entwicklung. Kann sie sich entspannen, überträgt sie dieses Gefühl automatisch auf ihr Kind. Julia Scholz ist stolz, wenn sie sieht, wie eigenständig ihr Max schon ist, freut sich, wenn sie seine Fortschritte sieht – und auch das spürt er. So ist die Musiktherapeutin eine Partnerin, die den Familien während des langen Krankenhausaufenthalts zur Seite steht – und das nicht im weißen Kittel. Dank der finanziellen Unterstützung der Dresdner Kinderhilfe und des Vereins Sonnenstrahl e. V. konnte die Stelle im Carl-Gustav-Carus-Klinikum im August 2006 geschaffen werden, sie wird komplett über Spenden finanziert. So kann die Musiktherapie vielen Kindern zugute kommen.

Kontakt: Julia.Scholtz@uniklinikum-dresden.de

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